Grüne Hautcreme mit Silber Verpackung

Harnstoff - Wirkung

Harnstoff zur topischen Anwendung

Urea

Cabamidum

Datum der Bekanntmachung 26.04.1990

Veröffentlicht im Bundesanzeiger 19.06.1990

Beim Harnstoff handelt es sich m eine farblose, leicht hygroskopische, nahezu geruchlose, kristalline Substanz. Sie ist im Verhältnis 1:1 in Wasser und 1:10-12 in Alkohol löslich; nahezu unlöslich ist sie in Chloroform und Ether. Wässrige Lösungen reagieren neutral. Die Lagerung soll in luftdichten Behältern erfolgen. Wässrige Zubereitungen von Harnstoff sind im alkalischen Milieu instabil.

Pharmakologische Eigenschaften, Pharmakokinetik, Toxikologie

Folgende pharmakologischen Eigenschaften sind bekannt:

Harnstoff verändert die Struktur und Eigenschaften des Keratins der Hornschicht und der Nägel.

Harnstoff hat eine wasserbindende Wirkung in der Hornschicht in Abhängigkeit vom Träger.

Harnstoff hat eine proliferationshemmende Wirkung auf die Epidermis, die jedoch auch bei Langzeitanwendung nicht zur Atrophie führt.

Es bestehen Hinweise auf antimikrobielle und fungistatische Wirkungen, jedoch können minimale Hemmkonzentrationen nicht angegeben werden, da kein Erkenntnismaterial mit neueren Methoden vorliegt.

Eine juckreizstillende Wirkung wurde am Modell des Trypsin-induzierten Pruritus beschrieben. Die klinische Relevanz dieser Befunde ist nicht ausreichend belegt.

Für andere Arznei- oder Fremdstoffe muss mit einer liberations- und penetrationsfördernden Wirkung gerechnet werden.

Harnstoff wird aus Öl/Wasser-Emulsionen schneller freigesetzt als aus Wasser/Öl-Emulsionen. Wird Harnstoff in Öl/Wasser-Emulsionen verabreicht, so bleibt lange ein hoher Anteil von Harnstoff in den oberen Hornschichten erhalten, es penetriert jedoch nur wenig Harnstoff in tieferer Hornschichtanteile, Epidermis und Dermis. Wird Harnstoff in Wasser/Öl-Emulsionen verabreicht, so erfolgt eine langsamere Wirkstofffreigabe, der Harnstoff penetriert jedoch weit stärker in die Tiefer der Hornschicht, in Epidermis und Dermis. Von bedeutendem Einfluss können pharmazeutische Hilfsstoffe sein.

In die Epidermis und Dermis penetrieren nur wenige Prozent der aufgetragenen Wirkstoffmenge. Die Ausscheidung des resorbierten Harnstoffes erfolgt vor allem durch den Urin, in geringerem Maß auch durch den Schweiß.

Für den Menschen gelten Dosen bis zu 80 g/ die i.v. bzw. 100 g/die Po. als ungefährlich. Derartig hohe Dosen kommen auch bei der Ganzkörperbehandlung nicht zur Resorption, wenn Harnstoff ausschließlich extern angewendet wird. Erkenntnismaterial über Mutagenität, Kanzerogenität oder Teratogenität liegt nicht vor.

Klinische Angaben:

Anwendungsgebiete:
  • Nagelauflösung, z.B. bei Onychomykose,
  • Behandlung trockner Haut, z.B. bei Neurodermitis oder Altershaut,
  • Behandlung von Ichthyosen.
Gegenanzeigen:
  • Keine bekannt

W.Wohlrab

Harnstoff und Haut

- Schweiz.Rundschau Med. (Praxis) 75, Nr.8 (1986)

Harnstoff (Urea, Carbamid) ist ein in der Dermatologie seit langem bekannt Substanz und wird vielfach zu kosmetische Zwecken oder in der externen Therapie angewandt. Die Ursache für diesen häufigen Einsatz liegt darin, dass Harnstoff auf verschiedene Weise die funktionelle Organisation der Haut beeinflussen kann.

So wird er wegen seiner keratolytischen Eigenschaften, der antipuriginösen und antibakteriellen Wirkung oder seine proteolytischen Aktivität eingesetzt, vornehmlich aber zur Erhöhung der Wasserbindungsfähigkeit der Haut.

Darüber hinaus gewinnt sein penetrationsfördernder Effekt zunehmend an Bedeutung.

Lässt man zunächst die erheblichen Unterschiede in der Reaktibilität der Haut entsprechend der individuellen Verhältnisse auch hinsichtlich topographischer, morphologische oder funktioneller Bedingungen ausser acht, so ist für das Zustandekommen jeder Harnstoffwirksamkeit vor allem dessen Penetrationsablauf in die einzelnen Hautschichten von entscheidender Bedeutung.

Penetrationskinetik von Harnstoff in die menschliche Haut

Grundlage jeder Harnstoffwirksamkeit in der Haut ist seine Penetrationskinetik, d.h. wie viel Harnstoff nach externer Applikation in Abhängigkeit von der Einwirkungszeit in die einzelnen Hautschichten eindringt. Dabei ist der Penetrationsablauf jeder Substanz, ausgehend von den Eigenschaften der penetrierenden Substanz selbst, von der der Strukturfunktion des Hautareals, vom Hautzustand, vom pH-Wert von einer eventuellen Vorbehandlung, der Applikationsart, der Substanzkonzentration sowie der Expositionszeit, vor allem auch vom verwendeten Vehikel abhängig.

Die Penetrationskinetik von Harnstoff zeigt in der Vehikelabhängigkeit für O/W- und W/O-Emulsionen grundsätzliche Unterschiede, aus denen auch unterschiedliche Harnstoffwirksamkeiten abzuleiten sind. So ist bei Verwendung von O/W-Emulsionen Harnstoff schon nach kurzer Zeit in hoher Konzentration in den oberen Hornlagen nachweisbar, jedoch sind in den tiefen Hornlagen, auch nach längeren Einwirkungszeiten, nur geringe Harnstoffmengen zu finden.

Bei W/O-Emulsionen tritt dies Sofortwirkung nicht in dem Umfang ein, doch ist der Harnstoff über die gesamte Hornschicht gleichmässig verteilt und erreicht auch in den tiefen Hornlagen beträchtliche Konzentrationen. Daraus ist zu folgern, dass die Harnstoffwirksamkeit vor allem in den tieferen Hornlagen bei der Verwendung von W/O-Emulsionen wesentlich intensiver auftritt. Dabei sind auch Unterschiede im zeitlichen Ablauf der Hydration nachweisbar.

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